
Eine E-Mail bietet keinen Leseschutz, wie zum Beispiel der Umschlag bei einem Brief. An allen Stationen, die für den Transport der E-Mail zuständig sind, können die Nachrichten kopiert und archiviert werden.
“Abhörsysteme wie Echelon werten automatisiert E-Mails und Faxe aus”, sagt Christian Krause vom Datenschutzzentrum in Kiel. Das Spionagenetz wird von den USA gemeinsam mit Kanada, Australien und Neuseeland betrieben. Dort gesammelte Informationen würden unter anderem für geheimdienstliche Zwecke genutzt. Es gebe aber auch Hinweise, dass die Daten zur Wirtschaftsspionage verwendet werden.
Wer sich Zugriff verschafft:
Neben Echelon können sich laut Krause aber auch neugierige oder böswillige Systemadministratoren sowie Hacker Zugriff auf den E-Mail-Verkehr verschaffen. Für die Zukunft sei anzunehmen, dass von verschiedensten Institutionen immer mehr Daten gesammelt werden. “Aus vielen solcher kleinen Datenberge entstehen durch Verknüpfung leicht umfangreiche Profile von Menschen”, sagt Krause. Es gehe nicht darum, ob man etwas Verbotenes zu verbergen hat. Es gehe um Privatsphäre – und die habe jeder Mensch.
Wer das Mitlesen von E-Mails verhindern oder zumindest erschweren will, muss aktiv werden – zum Beispiel, indem er die Nachrichten verschlüsselt. Dazu muss er seinen Korrespondenzpartnern einen Algorithmus zukommen lassen, mit dem diese verschlüsselte Mails zurücksenden können. “Verschlüsselung ist für jeden sinnvoll, der seine Daten schützen möchte”, sagt Matthias Gärtner vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn. Das können zum Beispiel Bankdaten sein, private oder vertrauliche Informationen. “E-Mails versenden ist nichts anderes als Postkarten zu verschicken”, sagt Gärtner.
Software gewährt sicheren E-Mail-Verkehr
Wie sicher moderne Algorithmen sind, erklärt Prof. Jörg Schwenk vom Lehrstuhl für Daten- und Netzsicherheit an der Ruhr-Universität Bochum anhand eines Beispiels: “Würde ein Angreifer zwei Milliarden Schlüssel in der Sekunde ausprobieren, bräuchte er länger als das geschätzte Lebensalter des Weltalls, um alle Möglichkeiten eines 128-Bit-Algorithmus durchzurechnen.”